Unsere Vorfahren hätten niemals so viel rohe Nahrung kauen und essen können, wie es zur Entwicklung unseres energiehungrigen Gehirns notwendig gewesen wäre. Gekochte Nahrung ist energiereich und verwandelt langkettige Proteine und Kohlenhydrate in leichter Verdauliches. Die Gattung Mensch hat sich buchstäblich schlau gegessen. Wir müssen vermeiden, dass sie sich wieder dumm isst.
Die soziale Entwicklung und die menschliche Sprache wurden durch die Erfindung des Kochens erst richtig gefördert. Wahrscheinlich hat sich die menschliche Sprache nicht so sehr bei der Jagd, sondern beim Sitzen um die Feuerstelle sowie beim gemeinsamen Kochen und Essen entwickelt.
Die Fähigkeit, Nahrung zubereiten zu können, geht heute zunehmend verloren, trotz vieler Initiativen, dem entgegen zu wirken. Der Mangel an Kenntnissen betrifft alle Bevölkerungsschichten. Es gibt bei uns Familien mit Kindern, die keinen Herd und keinen Esstisch besitzen und in denen niemand mehr weiß, wie man Gemüse zubereitet. Die Universitätskinderklinik Bonn hat Kochkurse für die Eltern ihrer kleinen Patienten eingerichtet, weil Kinder aufgrund von Ernährungsmängeln krank in die Universitätsklinik kommen.
Unsere Jugendlichen werden durch Fehlernährung und Bewegungsmangel in hoher Anzahl Diabetes, Osteoporose und Herz-Kreislauf-Krankheiten bekommen. Diabetes trat unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg bei ein bis zwei Promille der Bevölkerung auf. Heute leiden in Deutschland fast 10 Prozent der Bevölkerung darunte,r in 10 Jahren vielleicht bereits doppelt so viele. Die Gesundheitskosten dafür werden enorm sein.
Forschungsergebnisse zeigen, dass die Fehlernährung sogar die Fortpflanzungsfähigkeit und wahrscheinlich sogar die Erbanlagen der Bevölkerung negativ beeinflusst. So ist die Qualität der Spermien und damit die Fruchtbarkeit der Männer auch davon abhängig, ob sich Jugendliche während der Entwicklung zum Mann gesund ernährt haben. Ähnliche Zusammenhänge gelten auch für die Fruchtbarkeit der Frauen. Ein Mangel an Folsäure, eines B-Vitamins, das in Vollkornprodukten, vielen Gemüse- und Obstsorten enthalten ist, wirkt sich bei der Zellteilung negativ aus. Deshalb spielt dieser Mangel auch beim Auftreten von Demenz und psychischen Krankheiten eine Rolle
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Leider sehen wir heute den Wert der Familienarbeit als zu gering an. Vielen Frauen und Männern, leider auch vielen Architekten und Bauherren, fehlt die Erfahrung wie bereichernd es für die ganze Familie sein kann, wenn alle zusammen in der Küche tätig sind und gemeinsam kochen. Immer weniger Familien nehmen ihre Mahlzeiten gemeinsam ein, obwohl das für die Sozialisation und Sprachentwicklung der Kinder enorm wichtig ist.
Aus den Ergebnissen der Untersuchung von Schulmahlzeiten in Rheinland-Pfalz müssen wir schließen, dass auch diese den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung nicht entsprechen. Von 53 in den Jahren 2006 und 2007 untersuchten Schul- und Kindertagesstättenmahlzeiten enthielten 51 nicht genug Vitamine und Mineralien, aber zu viel Fett.
Folgendes ist notwendig:
In den Familien muss gesunde Ernährung praktiziert werden. Das Wissen über die Zubereitung gesunder Ernährung, schlicht das Kochen können, muss wieder an die Kinder und Enkel weitergegeben werden. Viele Familien sind dazu jedoch nicht willens oder in der Lage. Das müssen wir als Tatsache sehen.
Die Kommunen müssen als Schulträger dafür sorgen, dass die Schulverpflegung den Anforderungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung entspricht. Das Land muss seine Zuschüsse davon abhängig machen und die Lehrer für die schwierige Aufgabe gewinnen, die Schüler dazu zu motivieren, gesundes Essen anzunehmen.
Schließlich müssen die Schulen ausreichende praktische Kenntnisse über gesundes Leben einschließlich des Kochens vermitteln. - Bisher tun das in ausreichendem Maße nur die Dualen Oberschulen und einige wenige andere Schulen. Die Lehrer haben recht, wenn sie einwenden, dass man der Schule nicht einfach aufbürden kann, was die Familien nicht mehr leisten. Dazu müssen die Schulen erst einmal in die Lage versetzt werden. Aber das ist notwendig, auch wenn es Geld kostet und vielleicht die Reduzierung des Stoffes an anderer Stelle bedeutet. Aber Lerninhalte der Mathematik, Chemie, Biologie und Physik können auch in vielfältiger Weise mit dem Kochunterricht verzahnt werden. Es zu unterlassen würde viel teurer.
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