Auch die Zahl übergewichtiger Kinder steigt kontinuierlich an. Fehlernährung in Verbindung mit einem zunehmenden Bewegungsmangel erschwert in diesen Fällen schon früh die langfristige Erhaltung der Gesundheit sowie der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit. Gesundheitliche Schädigungen wie Fettleibigkeit, Diabetes, Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen, aber auch Essstörungen, Magersucht, Störungen des Immunsystems, psychomotorische, emotionale und soziale Störungen sowie Störungen der Konzentrations- und Lernfähigkeit sind die Folgen. Erstmals äußern Mediziner die Befürchtung, dass die Lebenserwartung
einer signifikanten Anzahl von Kindern deutlich geringer ist als die ihrer Eltern.
Junge Menschen auf die Führung eines eigenen Haushalts, ein verantwortungsvolles
Konsumverhalten, gesunde Ernährung und Lebensführung vorzubereiten, ist eine gesellschaftliche Aufgabe von zunehmender Bedeutung. Auch in der Schule müssen Ernährungserziehung und Haushaltsorganisation einen besonderen Schwerpunkt im Rahmen von Lehrplänen und Bildungsstandards darstellen. Neben der reinen Wissensvermittlung in Fragen der Ernährung, Bewegung und Haushaltsorganisation trägt vor allem die Anwendung dieses Wissens zur Vertiefung
eines verantwortungsbewussten Konsumverhaltens bei. Schülerinnen und Schüler erhalten auf diese Weise sowohl Praxisunterricht im Bereich Ernährung
als auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Ebenso tragen eine große Zahl weiterer außerunterrichtlicher Aktivitäten und Projekte wie Bewegungsangebote
und Angebote im Rahmen der Ganztagsschule zum aktiven und lebensnahen Erlernen von Alltagskompetenzen in den genannten Bereichen bei.
In rheinland-pfälzischen Schulen finden sich insbesondere im Biologie- und Sachkundeunterricht sowie in den Fächern Sozialkunde, Sport, Deutsch, Familienhauswesen und Haushaltslehre Elemente dieser Bereiche wieder.
Da das Ernährungsverhalten des Menschen mit zwölf Jahren so geprägt ist, dass es später nur noch sehr schwer zu beeinflussen ist, wird hier zu spät mit dem systematischen und kontinuierlichen Unterricht begonnen.
Um eine nachhaltige Verhaltensänderung zu bewirken, werden diese Bereiche nicht systematisch, vollständig und regelmäßig genug gelehrt. Die praktische Anwendung fehlt oft ganz und ist nicht überall möglich. Ob, wie intensiv und wie regelmäßig die genannten Lerninhalte im Unterricht auftauchen, hängt weitgehend vom Engagement und Kenntnisstand der einzelnen Schule bzw. Lehrkraft
ab.
Voraussetzung für diese schulischen Schwerpunkte ist auch eine entsprechende Ausbildung von Lehrkräften in den Bereichen der Ernährungs- und Verbraucherbildung sowie ein kontinuierliches Fort- und Weiterbildungsangebot, um aktuellen Entwicklungen und den sich stetig ändernden Veränderungen der Gesellschaft gerecht zu werden.
Neben den Schulen leisten zahlreiche Institutionen und Verbände in den Bereichen Ernährung, Gesundheit und Konsumverhalten einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung, Erziehung und Prävention. Gerade diejenigen, deren Wissen und Problembewusstsein auf diesen Feldern sehr gering ist, erreichen diese Angebote jedoch nicht.
Im Rahmen der Ganztagsschule können oft – auch in Kooperation mit außerschulischen Partnern – besondere Chancen im Hinblick auf eine gesunde und verantwortungsvolle Lebensführung von jungen Menschen genutzt werden. Alarmierend ist jedoch – wie u. a. die Antwort auf eine Große Anfrage der FDP-Fraktion (Drucksache 15/2009) ergeben hat –, dass die Mittagsmahlzeiten an rheinland-pfälzischen Schulen zu einem großen Teil den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) nicht entsprechen.
II. Der Landtag fordert die Landesregierung auf,
1. sicherzustellen, dass die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) herausgegebenen Qualitätsstandards in der Gemeinschaftsverpflegung an rheinland-pfälzischen Schulen zur Anwendung kommen, und Schulträger und Schulen bei dieser Aufgabe zu unterstützen;
2. die inhaltliche Ausrichtung und Gewichtung der Bereiche Konsum, Gesundheit, Ernährung und Bewegung in den Lehrplänen der entsprechenden Unterrichtsfächer systematischer und vollständiger zu gestalten, die entsprechenden Inhalte früher und stärker in den Schulalltag zu integrieren und den sich stetig verändernden gesellschaftlichen Herausforderungen gerecht zu werden;
3. Haushaltsführung und Ernährung betreffende Unterrichtsfächer der berufsbildenden Schulen sowie das Wahlpflichtfach Familienhauswesen der Realschulen einheitlich in „Ernährungs- und Verbraucherbildung“ umzubenennen;
4. Elemente der Ernährungs- und Verbraucherbildung und ihre Integration in alle bzw. Verzahnung mit allen infrage kommenden Fächern verstärkt im Rahmen
der Lehrerausbildung anzubieten sowie ein kontinuierliches Fort- und Weiterbildungsangebot in den genannten Bereichen sicherzustellen;
5. Schülerinitiativen, außerunterrichtliche Aktivitäten und Projekte, die zum nachhaltigen und lebensnahen Erlernen von Alltags- und Schlüsselkompetenzen
in den genannten Bereichen beitragen, zu fördern und zu unterstützen;
6. die Vielzahl von bereits bestehenden Angeboten, aktuellen Informationen, Materialien und Ansprechpartnern in den Bereichen Ernährung und Bewegung, Gesundheitsvorsorge, Konsum und Haushaltsführung zu bündeln und im Rahmen einer Internetplattform allen im Bereich Schule Verantwortlichen, Kooperationspartnern und Interessenten transparent und zugänglich zu machen.
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