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Uta Schellhaaß im Landtag Rheinland-Pfalz -

Reden

Rede vom 24.01.2007

Plenarsitzung 17/18. Januar 2007

Rede zum Tierschutzbericht

Juristen und Theologen haben eines gemeinsam:
Ein und derselbe Text wird von verschiedenen Personen sehr unterschiedlich ausgelegt.

Aber der Satz in der Schöpfungsgeschichte: „Füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Vögel…, das Vieh… und alles Getier,“ hieß noch nie: „Beutet die Schöpfung aus und verbraucht sie, so dass für andere Geschöpfe und eure Kinder nichts mehr übrig ist.“
Im Gegenteil, auch in der alten Übersetzung heißt es etwas später: „Der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaue und bewahre.“
In der neueren Übersetzung heißt die erste Stelle übrigens:
„Ich setze euch über die Fische, die Vögel und alle anderen Tiere und vertraue sie eurer Fürsorge an.“ Und die zweite heißt dort: „Er übertrug im die Aufgabe, den Garten zu pflegen und zu schützen.“

Zur Situation der Tiere möchte ich für Rheinland-Pfalz in diesem Zusammenhang auf drei Aspekte eingehen:

auf den Lebensraum frei lebender Tiere und den Flächenverbrauch des Menschen

auf unsere Art der Tierzucht

auf Tiertransporte

Zu 1.
Wir haben in Rheinland-Pfalz einen Flächenverbrauch von rund 5 Hektar täglich. Er geht auf Kosten der Natur und der frei lebenden Tiere und verschlechtert ihre Lebensbedingungen. Er muss und kann auch in Anbetracht der demografischen Entwicklung reduziert werden. Wir müssen einsehen, dass gleiche Lebensbedingungen für den Menschen in allen Teilen des Landes nicht machbar sind. Für Umwelt und Tierschutz sind sie nicht einmal zu wünschen.

Zu 2.
In der Tierzucht haben wir – wie dem Bericht zu entnehmen ist –seit Bestehen des Landes eine ständige Abnahme der Anzahl der tierhaltenden Betriebe, verbunden mit einer Vergrößerung der Betriebe. Je mehr große Betriebe wir jedoch haben, desto billiger kann zwar Fleisch produziert werden, desto häufiger haben wir aber auch eine Art industrieller Tierproduktion und desto weniger oft haben wir natürliche, artgerechte Lebensbedingungen für die Tiere.
Dies betrifft nicht nur die Lebensbedingungen für Legehennen, die hier schon häufig Thema der Diskussion waren, sondern sehr stark auch die Schweine.

Wegen Ihrer Rolle in Natur- Landschafts- und Tierschutz darf die Landwirtschaft nicht nur unter dem Gesichtspunkt betriebswirtschaftlicher Produktivität gesehen werden. Vielmehr müssen uns volkswirtschaftliche Wohlfahrtsgesichtspunkte, also auch nicht monetärer Nutzen, entsprechende Kosten wert sein.

Zu 3.
Am grausamsten ist nach wie vor das Thema Tiertransporte.
Auch nach der in diesem Monat in Kraft getretenen EU-Verordnung zum Schutz von Tieren beim Transport sind immer noch Transportzeiten von bis zu 29 Stunden erlaubt, ebenso das Zusammenpferchen auf engstem Raum und Temperaturen von bis zu 35 Grad. Immer wieder kommt es vor, dass Tiere das Transportziel mit gebrochenen Beinen oder verdurstet erreichen.

Der Bericht weist im Abschnitt über die Tiertransportkontrollen in Rheinland-Pfalz eine Zunahme festgestellter tierschutzrechtlich relevanter Verstöße aus und zwar von 2004 auf 2005 um fast 50%.

Ich nehme an, dass die Ursache der Zunahme in besseren Kontrollen liegt. Das Erschreckende ist, dass in 2005 bei 21% aller kontrollierten Tiertransporte tierschutzrechtlich relevante Verstöße festgestellt wurden.
Deshalb sind mehr und weiter verbesserte Kontrollen und konsequente Sanktionierung bei Verstößen nötig. Allerdings sind derzeit die Möglichkeiten für Kontrollen und Sanktionen denkbar gering.

Die FDP-Fraktion wird sich auf Bundes- und auch auf Europaebene für eine weitere Verbesserung der Transportkontrollmöglichkeiten einzusetzen und bittet die Landesregierung vermehrt Kontrollen durchzuführen.
Der Staat stößt hier jedoch sehr schnell an seine Grenzen. Notwendig ist ein europaweiter gesellschaftlicher Wertekonsens und eine Ächtung von Tierquälerei.

Die Verbraucher könnten hier viel helfen. Sie bedauern zwar allgemein Tierquälerei bei Transporten und erklären, dass sie sie nicht wollen. Auch in Rheinland-Pfalz isst ein großer Teil der Bevölkerung mehr Fleisch als notwendig und achtet zu wenig auf Qualität.
Gerade in Rheinland-Pfalz haben wir aber die Möglichkeit, qualitativ hochwertiges Fleisch aus regionaler Aufzucht einzukaufen. Der Verbraucher tut sich selbst und den Tieren einen Gefallen, wenn er weniger und dafür qualitativ hochwertigeres Fleisch aus heimischen Regionen einkauft und auf Klasse statt Masse setzt.
In diesem Sinne appelliere ich hiermit nochmals an alle Verbraucher.

Abschließend will ich ganz allgemein betonen: Der Schutz der Tiere ist auch eine wichtige staatliche Aufgabe.
Dem, der sie unwichtig findet sei gesagt, dass es von der Tierquälerei zur Gewalt gegenüber Menschen nur ein sehr kleiner Schritt ist. Der Staat kommt aber bei dieser Aufgabe wie bei anderen auch sehr schnell an seine Grenzen.

Tierschutz ist vor allem Aufgabe jedes Einzelnen. Viele Bürger engagieren sich dankenswerter Weise ehrenamtlich und leisten Hervorragendes. Ihre Unterstützung muss dem Landtag ein Anliegen sein. All diesen ehrenamtlichen Helfern im Tierschutz möchte ich zum Abschluss an dieser Stelle herzlich danken.


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