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Uta Schellhaaß im Landtag Rheinland-Pfalz -

Reden

Rede vom 14.11.2008

Plenarsitzung 14.11.2008, zum Antrag der FDP-Fraktion

Stärkung eines verantwortlichen Konsumverhaltens in der Schule

Meine Damen und Herren!

Die komplexe moderne Lebenswelt weitet die Versuchungen von Kindern und Jugendlichen
- ganz allgemein Geld auszugeben, aber auch
- in Fallen zu tappen
in nie gekanntem Ausmaße aus. Die Eltern stehen oft ratlos da.

Besonders dramatisch macht sich dies bei dem Thema „Gesund leben“ bemerkbar, vielleicht, weil Wissen darüber in den Familien kaum Tradition hat.
Über Jahrtausende war man froh, wenn man genug zu essen hatte. Und man musste essen, was man bekommen konnte.
Die Nahrungsbeschaffung war mit viel körperlicher Arbeit verbunden. Und damit war für Bewegung gesorgt.

Heutzutage haben wir, geschichtlich gesehen recht plötzlich, ungeahnte Möglichkeiten
- die Zusammensetzung unserer Nahrung selbst zu bestimmen,
- Bestandteile natürlicher Lebensmittel zu verändern, zu entfernen oder verloren gehen zu lassen,
- andere hinzuzufügen,
- Vorgefertigtes oder von anderen Zubereitetes und Zusammengesetztes zu essen,
- das vorhandene Geld für Gesundes oder für „Junkfood“ oder für höchst unbekömmliche einseitige Vorlieben auszugeben.

Meine Damen und Herren!

Chancengerechtigkeit hängt auch davon ab, ob Kinder und Jugendliche rechtzeitig lernen können, mit den neuen Möglichkeiten umzugehen. Die Familien selbst können oder wollen das aber immer weniger sicherstellen. Aber auch die Schule darf nicht überfordert werden.

Unter dieser Maxime beantragen wir ein Maßnahmenpaket aus vier Punkten, zu denen ich nur kurz das Wichtigste sagen kann:

1. Wir wissen aus vielen Untersuchungen wie wichtig eine gesunde Ernährung von Kindern und Jugendlichen für die Konzentrations- und Lernfähigkeit sowie für ihr späteres Leben ist. Da müssen die Schulen bei den Mahlzeiten, die sie anbieten, mit gutem Beispiel vorangehen. Bei vielen Schulträgern haben wir ein erschreckendes Desinteresse dafür festgestellt. Wir werden darauf im Rahmen unserer großen Anfrage zrückkommen.

2. Es ist notwendig, die Bereiche Konsum, Gesundheit, Ernährung und Bewegung in die Lehrpläne der entsprechenden verschiedenen Unterrichtsfächer systematischer, vollständiger und früher zu integrieren.
Es wird an Schulen bereits sehr viel getan, aber dort, wo kein eigenes Unterrichtsfach auf dem Lehrplan steht, nur nach individuellem Engagement der einzelnen Schule und der Lehrer.
Der Unterricht und die praktische Anwendung der Ernährungslehre müssen zum großen Teil vor dem 12. Lebensjahr stattgefunden haben, denn danach sind Geschmack und Vorlieben nur noch mit großer Mühe beeinflussbar.

3. Die Bezeichnungen der Schulfächer Haushaltslehre und „Familienhauswesen“ klingen reichlich antiquiert und entsprechen den heutigen Inhalten nicht mehr. Die Ausbildung von Lehrern an der Universität Koblenz läuft unter der Bezeichnung Ernährungs- und Verbraucherbildung. So sollten die Fächer an Real- und berufsbildenden Schulen auch einheitlich bezeichnet werden.

4. Es gibt in Rheinland-Pfalz nur an der Universität Koblenz-Landau zwei Vollkraftstellen für die Ausbildung von Lehrern in diesen Inhalten. Lehrer können aber nur weitergeben, was sie selbst gelernt haben. Ihre Aus- und Fortbildung muss verstärkt angeboten werden.

Liebe Kolleginnen und Kollegen aus beiden anderen Fraktionen, wir freuen uns sehr, dass wahrscheinlich ein gemeinsamer Antrag aller drei Fraktionen in diesem Sinne möglich sein wird. Wir freuen uns auf die Ausschussgespräche mit Ihnen.


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