Logo

Uta Schellhaaß im Landtag Rheinland-Pfalz -

Reden

Rede vom 08.10.2009

Plenum im Mainzer Landtag

Gesundheits- und Haushaltsmanagement an Schulen

„Ernährungs-, Konsum- und Finanzkompetenzen sind Kulturelle Kernkompetenzen. Jeder Jugendliche sollte die Chance haben, sie zu erlernen.“ So formulierte es Dr. Michaela Schlich, die an der Universität Koblenz lehrt, in einem Vortrag mit dem zu unserem Antrag passenden Titel „Vom Kochunterricht zur Gesundheitsbildung - eine Metamorphose des Faches Hauswirtschaft“. Sie traf damit den Nagel auf den Kopf.


Wir wissen seit langem, dass Gesundheit statistisch gesehen stark vom Bildungsniveau abhängt. Beim Lernen über
- Verbraucherverhalten,
- Schuldenprävention,
- Hygiene,
- Gesundheitsvorsorge,
- Die Rolle von Bewegung und nicht zuletzt
- Ernährung,
haben bisher all die keine Chance, die weder zu Haus noch aus eigenem Antrieb lernen konnten.

Anrede,
Wer Armut wirksam bekämpfen will, muss Chancengerechtigkeit fördern. Deshalb ist es ein urliberales Anliegen, allen Kindern und Jugendlichen eine Chance zu geben, diese kulturellen Kernkompetenzen zu erlernen.

Zunächst ist dafür die Familie verantwortlich.

Wir finden aber in allen Bevölkerungsschichten Familien, in denen keine oder wenig solcher Kenntnisse vorhanden sind oder in denen niemand Zeit oder Interesse hat, sie weiterzugeben.

Es gab und gibt vielfältige Bemühungen - beispielsweise der Krankenkassen, der Landfrauen oder auch vieler Lehrer - Verbraucher- und Ernährungskompetenz zu vermitteln.

Einzelinitiativen erreichen aber in der Regel nur die, die bereits Interesse am Thema haben. Und das sind immer die, die es am wenigsten nötig haben. Einzelinitiativen können selten vollständig und nachhaltig wirken.

Die FDP-Landtagsfraktion geht deshalb das Thema von zwei Seiten an:

Wir haben die Qualität des Schulessens in Ganztagsschulen zum Thema gemacht, da dieses unmittelbare Auswirkungen auf die körperliche Verfassung der Schüler hat, und im Januar 2008 eine große Anfrage an die Landesregierung gerichtet.

Im August 2008 haben wir dann einen Antrag „Stärkung eines verantwortlichen Konsumverhaltens in der Schule“ im Landtag eingebracht, der u.A. als wesentliche Forderungen enthält:

• die oben genannten Kompetenzen allen Schülern in allen Schulen frühzeitig, systematisch und vollständig innerhalb der bereits bestehenden Fächer zu vermitteln. - Nur wer Alternativen kennt und beurteilen kann, hat die Möglichkeit sich zu entscheiden.
• Lehrer entsprechend aus- und fortzubilden und
• seitens der Landesregierung sicherzustellen, dass die Gemeinschaftsverpflegung in Schulen den Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung entspricht.

Die Ergebnisse der Großen Anfrage, die wir auch sinngemäß in einigen Kommunen gestellt hatten, zeigten, dass die eben angesprochenen Richtlinien nicht nur sehr selten befolgt wurden. Sie waren sogar weitgehend unbekannt, obwohl sie vom Land an alle Ganztagsschulen verteilt worden waren. Der Ist-Zustand ist heute nach wie vor unbefriedigend wie die Ergebnisse einiger Diplomarbeiten der Universität Koblenz gezeigt haben.

Aber durch unsere Anfrage ist vieles in Bewegung gekommen. Bei den Dienstleistungszentren ländlicher Raum sind hochkompetente und engagierte Ökotrophologinnen sehr aktiv, denen ich hiermit unseren Dank und unsere Anerkennung aussprechen möchte.

Die CDU hat in Ihrem Antrag vom November 2008 ein eigenes Unterrichtsfach gefordert.

Da sich die meisten Inhalte in bestehenden Fächern vermitteln lassen und auch den Schulen nur begrenzte Unterrichtszeit zur Verfügung steht, bevorzugen wir die Integration in andere Fächer. Dort wo Fächer wie „Praxis in der Schule“ oder „Familienhauswesen“ heute als eigenes Fach gelehrt werden, sollte das so bleiben.

Wir hätten gerne stärker betont, dass Kenntnisse frühzeitig, systematisch und regelmäßig in allen Schulformen vermittelt werden sollten. Wir hätten uns auch gewünscht, dass die Notwendigkeit der Aus- und Fortbildung von Lehrern in diesem Themenfeld klarer zum Ausdruck kommt.

Insgesamt gesehen freuen wir uns seitens der FDP darüber dass aus unserer Initiative unter Einbezug des CDU-Antrags und aktiver Mitwirkung der SPD der heute hier zur Abstimmung stehende, gemeinsame Antrag hervorgegangen ist.

Wir versetzen damit die Kinder und Jugendlichen in Rheinland-Pfalz in die Lage, künftig bewusst Entscheidungen als Verbraucher und für ihre Gesundheit zu treffen und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Chancengerechtigkeit für alle.


Zurück