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Uta Schellhaaß im Landtag Rheinland-Pfalz -

Reden

Rede vom 17.03.2010

Plenum im Mainzer Landtag 17.03.2010

Einführung einer Nährwert-Ampel als eine verbraucherfreundliche Kennzeichnung für Lebensmittel

Rotes Licht für die Ampel: titelte www.tagesspiegel.de heute
Der Ausschuss des EU-Parlamentes für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit hat gestern die Ampelkennzeichnung abgelehnt und festgestellt: Sie ist unwissenschaftlich und irreführend.- Ohne die EU geht jedoch nichts, weil nur EU-Regelungen möglich sind. Schon deshalb ist der SPD-Antrag hinfällig.

Nach den Reden von Ihnen, Frau Elsner drängt sich mir der Eindruck auf: Entweder Sie kümmern sich gar nicht darum , worum es geht, oder es geht ihnen um Verdummung, nicht aber um Aufklärung und erst recht nicht um gesündere Ernährung und zum Lesen brauchen Sie offenbar recht lange.

Nochmals sei gesagt:
Wir wollen die Angaben von Zucker, Fett, ungesättigten Fettsäuren und Salz in Gramm pro 100 g auf jeder Packung.
80% aller zusammengesetzten Lebensmittel haben das bereits. Wenn Sie, Frau Elsner nun eine größere Schrift fordern würden, könnten wir darüber reden.

Sie wollen aber zum Kleingedruckten zusätzlich Farbpunkte: Grün für gut, Rot für schlecht und Gelb für neutral.

Das heißt: 3x Grün und 1x Rot signalisiert für den Verbraucher: „Prima, das kann ich beruhigt konsumieren“.

Aber 3x Grün und 1x Rot haben
• Cola und viele andere Limonaden
• die meisten Bonbons und Lutscher
• etliche Sorten Paprika-Chips
• Mischgetränke aus Limonade und hochprozentigem Alkohol
Wollen Sie da wirklich 3 x Grün vermitteln?

4x Grün vermittelt: „Bestens, unbedingt zu empfehlen“. Da finden Sie:
• Z. B. Fertigmenüs, die in Bezug auf Zucker, Fett, Salz, Eiweiß o.k. sind, aber mit viel Geschmacksverstärker, künstlichen Aromen und Zusatzstoffen.
• Z. B. Fertigdesserts, nur aus Henkel Quellprodukt, Süßstoff (macht auch dick wie wir inzwischen wissen), künstlichen Aromen und Zusatzstoffen.

Wollen Sie da im Ernst unbeschränkt Grün geben?
Und da sollen wir glauben, dass es der SPD um gesündere Ernährung und um Aufklärung geht?

Statt ihrer irreführenden Farben hat unser 1+4 Modell zusätzlich zu den Angaben pro 100 g Besseres zu bieten.
Zusätzlich steht bei 1+4 vorneweg noch der Energiegehalt in Kilokalorien pro 100 g. Das ist eine sehr nützliche weitere Information.
Außerdem kann wer will, bei 1+4 weiter lesen, das müssen Sie, verehrte Zuhörer, aber keineswegs. Sie können also lesen, wie viel Gramm der genannten 4 Stoffe da Produkt, nach dem Sie gegriffen haben, pro Portion hat und wie viel Prozent des täglichen Bedarfes dann von dieser Portion gedeckt ist.
Sie werden dann z. B. bei Süßigkeiten, Limonaden oder Fettem feststellen, dass die Portionen, die Sie gewöhnt sind um einiges größer sind als die, die selbst der Hersteller sich vorstellt.
Das fördert dann vielleicht das Nachdenken über Ihre Gewohnheiten in Bezug auf Zucker, Fett oder gar alkoholische Getränke.
Aber das Lesen und Nachdenken traut die SPD dem Verbraucher – bei manchem zu Recht – nicht zu. Das haben Sie, verehrte Kolleginnen und Kollegen der SPD ja mehrfach betont.

Ihr Verbraucher soll von 3 grünen Punkten geleitet z. B. guten Gewissens weiter
• Cola und viele andere Limonaden
• Paprika-Chips
• die meisten Bonbons und Lutscher
• oder Mischgetränke mit Limonade und hochprozentigem Alkohol
verkonsumieren.
Ich will nicht bestreiten, dass ein gutes Gewissen etwas Angenehmes ist. Der Gesundheit oder der Gewichtsabnahme dient es bei der Mehrwertampel, wie man sieht, nicht.

Es geht der SPD nicht um Aufklärung oder gesündere Ernährung, es geht ihr um Populismus und Polemik wider besseres Wissen.

Das 1+4 Modell bietet dieselben Informationen wie die Ampel plus zusätzlicher Information für den, der sie lesen will, ohne die irreführenden Farben.

Das wollen wir und das kommt EU-weit. Ihren in jeder Hinsicht veralteten Antrag lehnen wir deshalb ab.


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